Bundesverband Schießstätten e.V.

Aktuelles und Termine


Sicherheit an erster Stelle!

Rückprallschutz auf Schießständen bei Einsatz bleifreier Solid-Geschosse

von Jürgen H. Voss

Mit Herausgabe der Schießstandrichtlinien 2012 ist auf Großkaliber-Schießständen (E0 bis 7.000 Joule) ein Rückprallschutz (Weichholz) bis zu einer Entfernung von der Schützenposition von 30,0 m erforderlich. In Abstimmung mit einem Schießstandsachverständigen können anstelle des Weichholzes auch ballistisch gleichwertige Materialien eingesetzt werden.

Bezüglich des Rückprallverhaltens und insbesondere zu den Rückprallweiten bleifreier Alternativgeschosse liegen keine ausreichend gesicherten Erkenntnisse vor, die eine exakte Festlegung der Verschalungslänge zulassen. Untersuchungen der DEVA zeigten außerdem, dass die bisherige Vorschrift der Schießstandrichtlinien mit der o. g. Weichholzverkleidung nicht immer ausreicht, um bei Einsatz hochmodener Nichtbleigeschosse ein Rückprallen von Geschossen/Geschossteilen oder Splittern der Bausubstanz selbst zu verhindern.

Bei Schießständen für Langwaffen bis E0 7.000 Joule ist bei Verwendung von homogenen Geschossen aus Kupfer, Messing o. Ä. (bleifreie Geschosse) gem. Ziffer 2.5.3 der neuen Schießstandrichtlinien deshalb auch einzelfallbezogen zu prüfen, ob über die o. g. Entfernung von 30 m eine Verschalung erforderlich ist bzw. welche weiteren Maßnahmen zu treffen sind. Im Einzelfall kann es erforderlich werden, den Rückprallschutz zu verstärken und/oder über die oben genannten Entfernungen auszudehnen.

Der seit April 2014 geltende Erlass der Niedersächsischen Landesforsten, dass in den Revieren der Landesforsten ausschließlich bleifreie Büchsengeschosse eingesetzt werden dürfen, erforderte nach Auffassung der Landesjägerschaft Niedersachsen e. V. aus Vorsorgegründen eine Nachrüstung der jagdlichen Schießstände mit zusätzlichem Rückprallschutz. Nur so kann gewährleistet werden, dass die Schießstände unter Berücksichtigung der Sicherheit der Schützen auch uneingeschränkt für den Einsatz bleifreier Geschosse geeignet sind.

Da es aber noch keine verbindlichen technischen Vorgaben für die Rückprallsicherheit bei Einsatz von Nicht-Bleigeschossen gibt (s. o.), wurde vom Schießstandsachverständigen der Landesjägerschaft eine zusätzliche Anbringung von Rückprallschutz im unteren Bereich der Hochblenden empfohlen, da nur von dort ein Rückprallen in Richtung Schütze möglich ist.

Schießstand 100 / 50 m mit Protect HE® nachgerüstet

Für den zusätzlichen Rückprallschutz wurde ein Material gewählt, das auch bei militärischen Schießständen eingesetzt wird. Es handelt sich dabei um Vollgummiplatten, die nach entsprechendem Zuschnitt an die vorhandene Holzverkleidung geschraubt werden können. Dieses Material ist speziell für den Rückprallschutz bei Einsatz hochenergetischer Vollmantelgeschosse entwickelt und entsprechend zertifiziert. In einem internen Beschussversuch wurden auch schwachenergetische Geschosse E0 < 200 Joule und auch Kurzwaffenmunition geprüft.

Der zentrale Einkauf des Materials direkt beim Hersteller ermöglichte eine wirtschaftlich günstige Beschaffung. Um die Nachrüstungen einheitlich und technisch korrekt auszuführen, wurde der Auftrag zur Ausführung nach Einholung von Angeboten an eine Firma vergeben. Die Planung, Koordination sowie Überprüfung und Abnahme der umgerüsteten Schießstände wurde durch den von der IHK Lüneburg öffentlich bestellten und vereidigten Schießstandsachverständigen im Auftrag der LJN e. V. Herrn Jürgen H. Voss wahrgenommen.

Insgesamt wurden 30 ausgewählte Schießstände mit zusätzlichem Rückprallschutz nachgerüstet. Die Gesamtkosten betrugen 170.000,00 Euro. Aufgrund der Anordnung des damals zuständigen Ministers Meyer (Bündnis 90/Grüne), in den Revieren der Landesforsten nur noch bleifreie Büchsenmunition zuzulassen, konnte dieser überzeugt werden, die Kosten vollständig aus der Jagdabgabe zu finanzieren, so dass die Nachrüstung für alle Schießstandbetreiber kostenlos war.

 


Warum Bodenblenden in einem Schießstand für Büchsengeschosse?

von Dipl.-Ing. Helmut Kinsky

Bild 1

Hochblenden sollen regelmäßig kontrolliert werden, um gegebenenfalls Ausbesserungen vorzunehmen.

Bei den Kontrollen wird man immer wieder feststellen, dass in der Bekleidung der Hochblenden Beschädigungen durch Geschosse vorhanden sind. Auffallend ist, dass es sich nicht um kreisförmige Löcher handelt, sondern um Querschläger, die über die Fläche der Hochblende verteilt sind, bis hinauf in die Zinkabdeckungen (siehe Bild).

Es ist davon auszugehen, dass diese Querschläger auch über die Hochblenden hinausfliegen und damit das Hintergelände gefährden. Ursache dafür ist, dass Geschosse, die auf die Schießbahnen treffen, abgelenkt werden und bei großen Ablenkwinkeln zwischen den Hochblenden den Schießstand verlassen.

Bild 2

Näher untersucht hat die DEVA in einem Forschungsauftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) die Ablenkung von Büchsengeschossen beim Auftreffen auf unterschiedliche Böden. Bei weichen Böden, entsprechend der Schießbahnsohle (Sand, Grasbewuchs), ist ermittelt worden, dass Büchsengeschosse bei Auftreffwinkeln bis zu 10 Grad abgelenkt werden. Dies entspricht einer Schussentfernung von 9 m, gemessen vom Schützen bis zur Bodenberührung des Geschosses. Je nach Struktur der Schießbahnsohle können vertikale Ablenkwinkel von 25 Grad und mehr auftreten.

Eindringlich wird darauf hingewiesen, dass diese Gegebenheiten auch im jagdlichen Betrieb eine große Rolle spielen.

Die Erfahrungen über das Ablenkverhalten der Geschosse von den Schießbahnsohlen aus in Verbindung mit den Erkenntnissen der DEVA-Untersuchungen, dürfte bei den meisten Schießstandsachverständigen und verantwortungsvollen Schießstandbetreibern zu der Forderung führen, die Schießbahnsohlen mit Bodenblenden auszustatten.

Bild 3

Es ist davon auszugehen, dass ohnehin in einer zu überarbeitenden Schießstandrichtlinie Bodenblenden vorgeschrieben werden.

Die Jagdparcours Buke GmbH (Altenbeken) hat vor Kurzem ihre beiden „Laufender Keiler“-Schießstände erneuert. Unter anderem sind auf den Schießbahnsohlen Bodenblenden errichtet worden. Sie sind hintereinander so platziert, dass ein Schütze in stehender Haltung und maximaler Anschlaghöhe von 1,70 m nicht auf die Schießbahnsohle schießen kann (siehe Bild 2).

Der Aufbau der Bodenblenden ist auf Bild 3 dargestellt. Auf eine Betonkonstruktion sind hochbelastbare Stahlplatten mit einer Dicke von 12 mm geschraubt. Zur Vermeidung von Rückprallern sind die Bleche mit Weichholz (Dicke 2,4 cm) ausgestattet worden.

 

 


Neues Seminarangebote des BVS im Jahr 2019

1.) Aufsichten und deren wichtige Aufgabe im Schießbetrieb

- Tagesseminar-
Aufsichten haben als wichtigste Aufgabe dafür zu sorgen, dass vom Schießbetrieb laut Gesetz "keine vermeidbaren Gefahren für die äußere und innere Sicherheit der Schießstätten ausgeht".

  • Was bedeutet das? 
  • Welche sonstigen Aufgaben hat die Aufsicht, um die sie sich kümmern muss?

Das sind die Fragestellungen, die im Seminar vertieft behandelt werden.

Als Referenten stehen Dipl.-Ing. Helmut Kinsky sowie BVS-Präsidiumsmitglied Berthold Begemann zur Verfügung. Geplant sind im Jahr 2019 drei Seminare, die in verschiedenen Regionen Deutschlands stattfinden werden.

Termine und Orte sowie anfallende Teilnehmergebühren werden im Januar 2019 bekannt gegeben.

2.) Betreiberseminare

- Tagesseminar -
In diesem Seminar werden u. a. folgende Themen angesprochen:

  • Wer ist der "Betreiber" des Standes?
  • Wofür ist er verantwortlich?
  • Wie überträgt er Verwantwortung auf andere Personen?
  • Was muss er tun, um die Einhaltung der rechtlichen Anforderungen beweisen zu können?
  • Wem darf er als Verantwortlicher diese Verantwortung übertragen, wie geht das?
  • Welche Anforderungen werden an ihn als originär Verantwortlichen gestellt, wenn er Verantwortung delegiert hat?

Es ist - sogar leicht - möglich, einen Schießstand so zu betreien, dass kein persönliches Haftungsrisiko besteht, man muss nur wissen wie und danach handeln.
Ziel dieses Seminars ist, die gundlegenden Prinzipien der Organisation, der Dolumentation des eigenen Hanelns und des Handelns dritter, mit Anleitung für die Praxis, zu vermitteln.

Darüber hinaus werden aktuelle Fälle der Sanierung von Kugel- bzw. Tontaubenständen vorgestellt. Hierzu gehören auch die Beantwortung von speziellen Fragen zu diesem Thema, wie:

  • Wie sollen Sie Ihrer gesetzlichen Verpflichtung zur Sanierung des Schießstandgeländes gerecht werden?
  • Welche Maßnahmen zur regelmäßigen Wiederaufnahme des Bleichrotes haben Sie ergriffen?
  • Wie bereite ich mich als Betreiber auf den Tag "X" vor?
  • Wie verhalte ich mich, wenn es soweit ist?

Kompetente Referenten werden diese Fragen darstellen und Lösungen aufzeigen.

Geplant sind drei Seminare, die in verschiedenen Regionen Deutschlands stattfinden werden.

Im Januar 2019 werden wir die Termine und die Teilnehmergebühren bekanntgeben.

 


Blei – Bleifrei

Die Diskussion um Blei und seine Alternativen hat viele Facetten. Es geht im Wesentlichen um folgende Punkte:

1. Besitzt bleifreie Munition die gleiche tierschutzgerechte Tötungswirkung wie Bleigeschosse?

Die hierfür vom BMELV in Auftrag gegebene „Gremse“-Studie, dies war in den Jagdzeitungen breit diskutiert worden, gibt die Antwort nicht. Die in der Untersuchung getroffenen Annahmen sind vom „Supervisor“, Dr. Beat Kneubühl, der auch die Fortsetzung der Studie begleitet, in Zweifel gezogen worden. Ein klares „Nein“ zur oben gestellten Frage äußert die Redaktion von WuH im Heft 16/2013 unter dem Titel „Bleifrei: UNTAUGLICH“, in dem sie die Studie des Verbandes der deutschen Berufsjäger vorstellt. Mittlerweile häufen sich die Hinweise, dass gerade bei schlechteren Schüssen die Zahl und die Schwierigkeit der Nachsuchen massiv ansteigen.

 2. Besitzt bleifreie Munition ein anderes Abprallverhalten als die Bleimunition?

Für diese Fragestellung liegt das Gutachten der DEVA mit den Auswertungen von Dr. Beat Kneubühl, Uni Bern, vor. Allzu schnell wurde von den Befürwortern der bleifreien Lösung nach diesem Gutachten geschlossen: „Alles kein Problem, keine wesentlichen Unterschiede, also stellen wir um!“ Wer diesen Schluss ziehen will, sollte das Gutachten und die Ausarbeitungen von Kneubühl nochmals kritisch prüfen. Kneubühl beantwortet die gestellten Fragen, geht aber nicht auf die Ergebnisse im Einzelnen ein.

Wird beispielsweise ein dünnmanteliges Geschoss, wie das KS, verglichen mit bleifreien Konstruktionen, so sind die Unterschiede, was den Verlust an Masse und Geschwindigkeit beim Anprall an Hindernisse angeht, deutlich. Es wäre natürlich (zeit- und kosten-)aufwändig, derartige „Details“ aus der Untersuchung zu konkretisieren. 

Andererseits, es ist schon erstaunlich: Jedes Mal, wenn man mit Schießstandexperten aus Kreisen der Polizei spricht, kommen die Geschichten mit den „Rückprallern“ bei deren bleifreier Munition (Action-Geschosse) zu Tage. Geschosse, die auf 50 m vom Geschoßfang zurückprallend den Schützen verletzten oder die hinter dem Schützen durch die Tür schlagen, sind nur denkbar mit bleifreier Munition. Die Zukunft wird zeigen, dass diese prinzipiellen – einfach in der Physik liegenden – Unterschiede vorhanden sind und sich entsprechend auswirken. Kupfer (oder Legierungen aus Kupfer und anderen Materialien) hat nicht die Duktilität (Verformbarkeit) des Bleis. Man kann ja entscheiden, dass die Betroffenen diese Risiken im „höheren“ Interesse hinzunehmen haben, aber sollte man dann nicht für eine rationale Abwägung aller Risiken diese auch konkret benennen können?

Dies kann nur bedeuten, dass über die Feststellungen des „Abprallgutachtens“ DEVA – Kneubühl hinaus die ja bekannten ergänzenden Fragestellungen sorgfältig geklärt werden.

Auch ansonsten wird uns Schießstandbetreibern ja – zu Recht - entgegnet, dass in Fragen der Sicherheit Geld keine Rolle spielen darf.

3. Ökotoxizität

Eine interessante Tatsache war, dass in Berlin klar ausgesprochen wurde, dass in gewisser Hinsicht die Ökotoxizität von bleifreien Geschossen – worauf der BVS stets hingewiesen hat – größer ist als die Ökotoxizität von Blei. Manche glauben natürlich sofort wieder, dass es bei der Blei-bleifrei-Diskussion nicht um das Blei, sondern darum geht, der Jagd ein weiteres Schnippchen zu schlagen, nach dem Motto: „Fällt Blei und Kupfer kommt, geht alles auf Kupfer los, usw.“

Wie es auch sei, wer ein bekanntes Terrain, dessen Risiken bestens bekannt sind, in unbekanntes Gebiet verlassen will, tut gut daran, dieses Gelände sorgfältig zu erkunden, sonst muss er vielleicht eines Tages feststellen, dass der Rückweg abgeschnitten ist.

4. Lebensmittelsicherheit im weiteren Sinne

Zum Thema Lebensmittelsicherheit liegen schwedische Untersuchungen von  Qvarfort und Holmgren sowohl zur Verteilung des Bleis im Wildkörper, als auch zur Aufnahme eventuell verzehrten Bleis im Menschen vor. Die Studien belegten eindrucksvoll, dass die üblichen Schätzungen bezüglich der Aufnahme von verschlucktem Blei im Körper um ein Mehrfaches zu hoch liegen. Nach Qvarfort / Holmgren liegt das wirklich im Körper ankommende Blei bei ca. 1 – 2 % des insgesamt aufgenommenen Bleis. Dieses Ergebnis würde zu der Tatsache passen, dass selbst Menschen, die 80 kg – mit Blei geschossenes – Wildbret pro Jahr essen, keine erhöhten Blut-Bleiwerte aufweisen, so Holmgren.

Der politische Druck in den Bundesländern wurde immer stärker und die Befürchtung, dass die Länder vollendete Tatsachen schaffen könnten, immer größer. Wir sollten – egal, wie man zur Verwendung von Blei in Munition steht – darauf bestehen, dass die angesprochenen Fragen umfassend geklärt werden. Es ist völlig unstreitig und klar, dass Blei toxisch und problembehaftet ist.