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BLEI - BLEIFREI

Die Diskussion um Blei und seine Alternativen hat viele Facetten. Immerhin war es dem Bundesinstitut für Risikobewertung BfR in Berlin am 18./19. März dieses Jahres ein zweitägiges Symposium mit internationaler Beteiligung wert, um einige – nicht alle – Fragestellungen anzusprechen und einen Überblick über den Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse zu geben. Störend war – was die Ernsthaftigkeit der wissenschaftlichen Auseinandersetzung angeht – dass ein teilnehmender Politiker, der das Symposium mit eröffnet hatte, bereits zwei Stunden nach der Eröffnung des Symposiums in einer Pressemeldung quasi das Ergebnis vorwegnahm, indem er eine rasche Umstellung auf bleifreie Munition forderte. Dabei waren am 18./19.03. und sind bis heute die gestellten Fragen nicht geklärt.

 

Es geht im Wesentlichen um folgende Punkte:

 

1. Besitzt bleifreie Munition die gleiche tierschutzgerechte Tötungswirkung wie Bleigeschosse?

Die hierfür vom BMELV in Auftrag gegebene „Gremse“-Studie, dies war in den Jagdzeitungen breit diskutiert worden, gibt die Antwort nicht. Die in der Untersuchung getroffenen Annahmen sind vom „Supervisor“, Dr. Beat Kneubühl, der auch die Fortsetzung der Studie begleitet, in Zweifel gezogen worden. Ein klares „Nein“ zur oben gestellten Frage äußert die Redaktion von WuH im Heft 16/2013 unter dem Titel „Bleifrei: UNTAUGLICH“, in dem sie die Studie des Verbandes der deutschen Berufsjäger vorstellt. Mittlerweile häufen sich die Hinweise, dass gerade bei schlechteren Schüssen die Zahl und die Schwierigkeit der Nachsuchen massiv ansteigen.

 

2. Besitzt bleifreie Munition ein anderes Abprallverhalten als die Bleimunition?

Für diese Fragestellung liegt das Gutachten der DEVA mit den Auswertungen von Dr. Beat Kneubühl, Uni Bern, vor. Allzu schnell wurde von den Befürwortern der bleifreien Lösung nach diesem Gutachten geschlossen: „Alles kein Problem, keine wesentlichen Unterschiede, also stellen wir um!“ Wer diesen Schluss ziehen will, sollte das Gutachten und die Ausarbeitungen von Kneubühl nochmals kritisch prüfen. Kneubühl beantwortet die gestellten Fragen, geht aber nicht auf die Ergebnisse im Einzelnen ein.

Wird beispielsweise ein dünnmanteliges Geschoss, wie das KS, verglichen mit bleifreien Konstruktionen, so sind die Unterschiede, was den Verlust an Masse und Geschwindigkeit beim Anprall an Hindernisse angeht, deutlich. Es wäre natürlich (zeit- und kosten-)aufwändig, derartige „Details“ aus der Untersuchung zu konkretisieren.

Andererseits, es ist schon erstaunlich: Jedes Mal, wenn man mit Schießstandexperten aus Kreisen der Polizei spricht, kommen die Geschichten mit den „Rückprallern“ bei deren bleifreier Munition (Action-Geschosse) zu Tage. Geschosse, die auf 50 m vom Geschoßfang zurückprallend den Schützen verletzten oder die hinter dem Schützen durch die Tür schlagen, sind nur denkbar mit bleifreier Munition. Die Zukunft wird zeigen, dass diese prinzipiellen – einfach in der Physik liegenden – Unterschiede vorhanden sind und sich entsprechend auswirken. Kupfer (oder Legierungen aus Kupfer und anderen Materialien) hat nicht die Duktilität (Verformbarkeit) des Bleis. Man kann ja entscheiden, dass die Betroffenen diese Risiken im „höheren“ Interesse hinzunehmen haben, aber sollte man dann nicht für eine rationale Abwägung aller Risiken diese auch konkret benennen können?

Dies kann nur bedeuten, dass über die Feststellungen des „Abprallgutachtens“ DEVA – Kneubühl hinaus die ja bekannten ergänzenden Fragestellungen sorgfältig geklärt werden.

Auch ansonsten wird uns Schießstandbetreibern ja – zu Recht - entgegnet, dass in Fragen der Sicherheit Geld keine Rolle spielen darf.

 

3. Ökotoxizität

Eine interessante Tatsache war, dass in Berlin klar ausgesprochen wurde, dass in gewisser Hinsicht die Ökotoxizität von bleifreien Geschossen – worauf der BVS stets hingewiesen hat – größer ist als die Ökotoxizität von Blei. Manche glauben natürlich sofort wieder, dass es bei der Blei-bleifrei-Diskussion nicht um das Blei, sondern darum geht, der Jagd ein weiteres Schnippchen zu schlagen, nach dem Motto: „Fällt Blei und Kupfer kommt, geht alles auf Kupfer los, usw.“

Wie es auch sei, wer ein bekanntes Terrain, dessen Risiken bestens bekannt sind, in unbekanntes Gebiet verlassen will, tut gut daran, dieses Gelände sorgfältig zu erkunden, sonst muss er vielleicht eines Tages feststellen, dass der Rückweg abgeschnitten ist.

 

4. Lebensmittelsicherheit im weiteren Sinne

In Berlin wurden zum Thema Lebensmittelsicherheit von schwedischen Teilnehmern (Qvarfort und Holmgren) interessante Studien sowohl zur Verteilung des Bleis im Wildkörper als auch zur Aufnahme eventuell verzehrten Bleis im Menschen vorgestellt. Die Studien belegten eindrucksvoll, dass die üblichen Schätzungen bezüglich der Aufnahme von verschlucktem Blei im Körper um ein Mehrfaches zu hoch liegen. Nach Qvarfort / Holmgren liegt das wirklich im Körper ankommende Blei bei ca. 1 – 2 % des insgesamt aufgenommenen Bleis. Dieses Ergebnis würde zu der Tatsache passen, dass selbst Menschen, die 80 kg – mit Blei geschossenes – Wildbret pro Jahr essen, keine erhöhten Blut-Bleiwerte aufweisen, so Holmgren.

Die vom DJV initiierten Studien zur „LeMiSi“ sind noch nicht vollendet. Faktisch ist damit noch kein einziger der Punkte abgeklärt, die im Rahmen des Fachgespräches im April 2009 zwischen den beteiligten Verbänden als klärungsnotwendig bezeichnet wurden.

Dennoch wird der politische Druck in den Bundesländern immer stärker und die Befürchtung, dass die Länder vollendete Tatsachen schaffen könnten, immer größer. Wir sollten – egal, wie man zur Verwendung von Blei in Munition steht – darauf bestehen, dass die angesprochenen Fragen umfassend geklärt werden. Es ist völlig unstreitig und klar, dass Blei toxisch und problembehaftet ist.

 

(Joachim Streitberger, BVS Intern, September 2013)

 



NEUES SEMINAR-ANGEBOT DES BVS :

1.
 

Aufsichten und deren wichtige Aufgabe im Schießbetrieb
- Halbtagesseminar -
Aufsichten haben als wichtigste Aufgabe, dafür zu sorgen, dass vom Schießbetrieb laut Gesetz „keine vermeidbaren Gefahren für die äußere und innere Sicherheit der Schießstätte ausgehen“.

  • Was bedeutet das?
  • Welche sonstigen Aufgaben hat die Aufsicht, um die sie sich kümmern muß?

Das sind die Fragestellungen, die im Seminar vertieft behandelt werden.

2.
 

Wie gehe ich mit behördlichen (Sanierungs-)Anforderungen und Auflagen um? - Eintägiges Vertiefungsseminar -
Derzeit häufen sich die Anfragen von Mitgliedern, denen konkrete Fragen der zuständigen Genehmigungsbehörden ins Haus flattern, wie zum Beispiel:

  • „Wie wollen Sie Ihrer gesetzliche Verpflichtung zur Sanierung des Schießstandgeländes gerecht werden?“ oder
  • „Welche Maßnahmen zur regelmäßigen Wiederaufnahme des Bleischroten haben Sie ergriffen?“
  • Wie bereite ich mich als Betreiber auf den Tag „X“ vor?
  • Wie verhalte ich mich, wenn es soweit ist?

Das sind die Fragestellungen, die in diesem Seminar vertieft behandelt werden.

3.
 

Organisation des Schießbetriebes - rechtliche Vorgaben und Anleitungen für die Praxis - Eintägiges Vertiefungsseminar -

  • Wer ist der „Betreiber“ des Standes?
  • Wofür ist er verantwortlich?
  • Wie überträgt er Verantwortung auf andere Personen?
  • Was muss er tun, um die Einhaltung der rechtlichen Anforderungen beweisen zu können?
  • Wem darf er als Verantwortlicher diese Verantwortung übertragen, wie geht das?
  • Welche Anforderungen werden an ihn als originär Verantwortlichen gestellt, wenn er Verantwortung delegiert hat?

Es ist - sogar leicht - möglich, einen Schießstand so zu betreiben, dass kein persönliches Haftungsrisiko besteht, man muss nur wissen, wie, und danach handeln.
Ziel dieses Seminars ist, die grundlegenden Prinzipien der Organisation, der Dokumentation des eigenen Handelns und des Handelns Dritter, mit Anleitungen für die Praxis, zu vermitteln.

UNVERBINDLICHE ANFRAGEN/ANMELDUNGEN:
  Sie können sich zu unseren neuen Seminaren unverbindlich anmelden. Sie bekunden hiermit nur Ihr grundsätzliches Interesse an einem derartigen Seminar. Sollte genügendes Interesse bestehen, werden von der Geschäftsstelle des BVS Termine und Orte so effizient wie möglich geplant. Anschließend schlägt die Geschäftsstelle Ihnen diese Termine und Orte vor, so dass Sie sich dann verbindlich anmelden können.